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Rostock, Deutschland, 09.06.2007
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Vertreibungen für Wirtschaftswachstum: Beispiel Indien
"Ich bin beeindruckt von den vielen jungen Leuten hier, die so viel freiwilligen Einsatz zeigen", sagt Rabial Mallick, ein Organisator indischer Slum-Bewohner aus Kalkutta. "Oft denken die Menschen im Süden, dass der Norden Schuld an unserer Misere ist. Hier lernt man, dass auch im Norden viele Menschen gegen das ungerechte Weltsystem opponieren. Nicht die Menschen in den reichen Ländern, die großen Wirtschaftskräfte sind die Schuldigen."
Tag für Tag ist Rabial Mallick unterwegs in Rostock und Umgebung. Immer
wieder beschreibt er die Auswirkungen der neoliberalen G8-Politik Politik auf die Lebensverhältnisse der Armen in Indien: Die indische Politik setzt "erfolgreich" auf Wirtschaftswachstum und international konkurrenzfähige Städte. Und davon profitiert eine wachsende obere Mittelschicht, die sich Autos und alle westlichen Konsumgüter leisten kann. Darauf sind die indischen Städte aber nicht eingerichtet. Also werden überall neue teure Wohnblocks aus dem Boden gestampft, Straßen mit ausländischer Investitionshilfe durch die Riesenstädte geschlagen. Diesen Projekten stehen aber die riesigen Armutssiedlungen im Wege, die immer weiter an den Rand gedrängt werden. Es ist üblich, dass ein armer Zuwanderer in seinem Leben mehrere Zwangsräumungen erlebt. Und während sich die Stadtplanung auf die Herstellung einer Stadt für die Wohlhabenden konzentriert, werden, wie bei uns, Dienstleistungen und Bildung zunehmend privatisiert, werden demokratische Gemeindeorgane durch zentrale Planungsinstitute umgangen.
Immer noch leben in Indien 72 % der Menschen auf dem Lande, davon 23 % unter der Armuzsgrenze. Vor allem dort, wo unter Einsatz von Maschinen, gentechnisch verändertem Saatgut und Pestiziden Produkte für den Weltmarkt angebaut werden, hat sich die Lage der Kleinbauern dramatisch verschlechtert.
Überschuldet und abhängig von der Agrar-Industrie sehen immer mehr Bauern
keinen andereren Ausweg als die Flucht in die Stadt, oder den Selbstmord.
Täglich bringen sich verzweifelte Bauern und Bäuerinnen durch das Trinken
von Pestiziden um.
Noch direkter ist der Einfluss der internationalen Wirtschaft auf die Lebensbedingungen in solchen Gebieten, die zu Sonderwirtschaftszonen erklärt wurden. Hier ist das Tarifrecht außer Kraft gesetzt, das Organisationsrecht ist eingeschränkt. Beliebig werden die Menschen in den neuen Indutrien entlassen. Und für Errichtung neuer Fabrikanlage - Indien ist inzwischen weltweit führend in der Stahlindustrie führend - werden Einwohner vertrieben.
Knut Unger, Habitat Netz, AG Habitat FUE, HIC, Mob e.V.
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